Fach Übersetzungen
Languages

Geschäftsberichte zweisprachig für Schweizer Firmen

Wie Schweizer Unternehmen Geschäftsberichte und Finanztexte sauber auf Deutsch und Französisch veröffentlichen, ohne Fehler bei Zahlen und Begriffen.

Geschäftsberichte zweisprachig für Schweizer Firmen

Jedes Frühjahr beginnt in vielen Schweizer Unternehmen derselbe Wettlauf. Der Geschäftsbericht muss fertig werden, die Zahlen sind gerade erst geprüft, und die Generalversammlung rückt näher. Gleichzeitig erwarten Aktionäre in der Romandie eine französische Fassung, die genauso präzise ist wie das deutsche Original.

Genau hier passieren die meisten Fehler. Nicht, weil die Übersetzer schlecht arbeiten, sondern weil die Zeit fehlt und die Abläufe nicht stimmen. Ein zweisprachiger Geschäftsbericht ist ein Projekt für sich und verdient eine eigene Planung.

Warum Finanztexte besonders heikel sind

Ein Geschäftsbericht enthält Zahlen, Fachbegriffe aus der Rechnungslegung, rechtliche Formulierungen und erzählende Passagen über Strategie und Nachhaltigkeit. Jede dieser Textsorten verlangt einen anderen Umgang.

Bei den Zahlen gilt höchste Genauigkeit. Ein vertauschter Tausendertrenner oder eine falsch übernommene Prozentangabe kann das Vertrauen von Investoren beschädigen. In der Schweiz wird zudem häufig der Apostroph als Tausendertrenner verwendet, während französische Texte aus Frankreich ein Leerzeichen nutzen. Wer für den Schweizer Markt schreibt, sollte die hiesige Konvention durchgängig anwenden.

Bei Begriffen aus Swiss GAAP FER oder IFRS braucht es feste Entsprechungen. «Rückstellungen» heissen auf Französisch «provisions», «Eventualverbindlichkeiten» werden zu «passifs éventuels». Solche Paare müssen von Anfang an feststehen.

Die Sprachsituation der Schweiz im Blick behalten

Wer in der Schweiz kommuniziert, bewegt sich in einem mehrsprachigen Umfeld mit klaren Erwartungen. Einen guten Überblick über Verbreitung und Status der Landessprachen bietet der Artikel zu den Sprachen in der Schweiz. Für börsenkotierte Unternehmen und viele Genossenschaften gehört eine französische Fassung schlicht zum guten Ton, oft auch eine italienische.

Leser in Genf oder Lausanne merken sofort, ob ein Text aus dem Deutschen übertragen wurde oder ob er sich natürlich liest. Ein holpriger Bericht wirkt so, als nähme das Unternehmen seine französischsprachigen Anspruchsgruppen weniger ernst.

Ein sinnvoller Ablauf in fünf Schritten

Aus unserer Erfahrung bewährt sich ein klarer Prozess, der früh beginnt:

  • Terminologie festlegen, bevor der erste Text geschrieben ist, idealerweise mit der Finanzabteilung.
  • Erzählende Kapitel wie Vorwort, Strategie und Nachhaltigkeit vorziehen, weil sie unabhängig von den Abschlusszahlen sind.
  • Tabellen und Zahlenteile erst übersetzen, wenn die Revision abgeschlossen ist.
  • Jede Änderung im deutschen Original mit Datum dokumentieren und gezielt nachziehen.
  • Vor dem Druck einen Abgleich aller Zahlen zwischen beiden Fassungen durchführen.

So verteilt sich die Arbeit auf mehrere Wochen, statt sich in den letzten Tagen vor der Publikation zu stauen.

Die richtige Fachperson wählen

Für eine zuverlässige übersetzung deutsch französisch im Finanzbereich braucht es Übersetzer, die französische Muttersprachler sind und die Grundlagen der Rechnungslegung verstehen. Sie müssen wissen, was ein Konzernabschluss ist, wie ein Lagebericht aufgebaut ist und welche Formulierungen Revisoren erwarten.

Fragen Sie bei der Auswahl gezielt nach Referenzen aus dem Finanzsektor. Lassen Sie sich eine kurze Probeübersetzung eines typischen Abschnitts geben. Und klären Sie, ob ein zweiter Fachübersetzer die Arbeit gegenliest. Dieses Vier-Augen-Prinzip ist bei Finanztexten Pflicht.

Typische Stolpersteine zwischen den Sprachen

Deutsch und Französisch funktionieren unterschiedlich. Deutsche Sätze stapeln Informationen in langen Nominalketten, das Französische löst sie lieber in Nebensätze auf. Wer zu wörtlich überträgt, erzeugt schwerfällige französische Texte.

Auch der Ton unterscheidet sich. Ein deutsches Vorwort des Verwaltungsratspräsidenten darf nüchtern und sachlich sein. Im Französischen wirkt derselbe Text manchmal kühl, wenn er nicht leicht angepasst wird. Gute Übersetzer finden hier die Balance zwischen Treue und Lesbarkeit.

Schliesslich gibt es Begriffe, die in der Schweiz anders verwendet werden als in Frankreich. Eine «Generalversammlung» ist eine «assemblée générale», doch Begriffe aus dem Schweizer Obligationenrecht haben eigene französische Fassungen, die nicht mit denen aus dem französischen Handelsrecht übereinstimmen. Hier hilft nur Erfahrung mit Schweizer Texten.

Technik sinnvoll einsetzen

Übersetzungsspeicher sind bei Geschäftsberichten Gold wert. Viele Passagen ändern sich von Jahr zu Jahr nur leicht, etwa Erläuterungen zu Bilanzierungsgrundsätzen oder Angaben zur Corporate Governance. Mit einem gepflegten Speicher werden diese Abschnitte schnell und konsistent übernommen, und das Budget konzentriert sich auf wirklich neue Inhalte.

Automatische Prüfprogramme vergleichen zusätzlich Zahlen zwischen Original und Übersetzung. Sie finden fehlende Fussnoten, abweichende Beträge und uneinheitliche Begriffe in Minuten. Den menschlichen Blick ersetzen sie aber nicht.

Budget und Zeitplan realistisch einschätzen

Ein Geschäftsbericht mittlerer Grösse umfasst schnell 40'000 bis 60'000 Wörter. Ein erfahrener Fachübersetzer schafft pro Tag etwa 2'000 bis 2'500 Wörter in hoher Qualität. Dazu kommen Lektorat, Zahlenabgleich und die Korrekturschlaufen nach dem Layout. Wer nachrechnet, sieht schnell, dass ein Team mehrere Wochen braucht.

Planen Sie deshalb Puffer für späte Änderungen ein. Erfahrungsgemäss ändern sich Zahlen und Formulierungen bis kurz vor dem Druck. Wenn das Übersetzungsteam diese Änderungen sauber nachführen kann, ohne unter Zeitdruck zu geraten, bleibt die Qualität hoch.

Auch das Layout verdient Aufmerksamkeit. Französische Texte sind meist zehn bis fünfzehn Prozent länger als deutsche. Grafiker sollten diesen Platzbedarf von Anfang an einplanen, damit Tabellen und Spalten in beiden Sprachen sauber aussehen.

Mehr als eine Pflichtübung

Ein sorgfältig übersetzter Geschäftsbericht zeigt, dass ein Unternehmen alle Landesteile ernst nimmt. Er stärkt das Vertrauen von Aktionären, Mitarbeitenden und Kunden in der Romandie. Und er erspart peinliche Korrekturen nach der Veröffentlichung.

Wer früh plant, klare Begriffe festlegt und auf spezialisierte Fachleute setzt, publiziert entspannter. Der nächste Geschäftsbericht kommt bestimmt, und mit einem guten Ablauf wird er jedes Jahr ein wenig einfacher.

Newsletter

Seien Sie der Erste.

Melden Sie sich für unseren Newsletter an